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Europäische Corporate Governance Konferenz – Zentrale Themen der Eröffnungsansprachen von Félix Braz und Věra Jourová waren das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen auf dem Spiel stehenden Interessen und nachhaltige, langfristige Investitionen

15-12-2015

Der Minister der Justiz Félix Braz bei der 17. Europäische Corporate Governance Konferenz in Luxemburg
Am 15. Dezember 2015 fand in Luxemburg unter der Schirmherrschaft des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes und der Europäischen Kommission die 17. Europäische Corporate Governance Konferenz statt. Der luxemburgische Justizminister Félix Braz und die EU-Kommissarin für Justiz Věra Jourová hielten die Eröffnungsansprachen der Veranstaltung, die sich mit dem Einfluss der neuen Finanzierungsformen auf die Corporate Governance, mit der Führung von Tochtergesellschaften in multinationalen Konzernen und mit den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Corporate Governance in Kreditinstituten und Investmentgesellschaften befasste.

Gesundes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen auf dem Spiel stehenden Interessen

Justizminister Félix Braz betonte die Bedeutung der digitalen Entwicklung im Rahmen der Corporate Governance als ein „wichtiger Faktor, der in unseren strategischen Überlegungen berücksichtigt werden sollte“. „Die Digitalisierung wird die Governance verbessern, insbesondere im Hinblick auf den Zugang zu Informationen oder die Ausübung der Aktionärsrechte. Außerdem ermöglicht sie es den Unternehmen, ihre Kosten zu reduzieren“, erklärte er.

Der Minister wies zudem darauf hin, dass die digitale Entwicklung im Binnenmarkt von wesentlicher Bedeutung sei, um die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union zu fördern. Dazu sei eine zuverlässige Governance maßgeblich für eine gute und nachhaltige Unternehmensführung, erklärte er und verwies auf die Rechtsvorschriften der EU über den Datenschutz und die Cybersicherheit.

Nach Ansicht von Félix Braz besteht die Herausforderung der Corporate Governance darin, ein gesundes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen auf dem Spiel stehenden Interessen zu finden, ungeachtet dessen, ob es sich um die Interessen der Manager, der Aufsichtsratsmitglieder, der Aktionäre oder anderer Akteure handelt. Die politischen Entscheidungsträger sollten gemeinsam bestrebt sein, ein solides Corporate Governance-System zu schaffen, das sowohl die Leistung als auch die Regelkonformität fördert, fügte er hinzu.

Der Minister verwies zudem auf die vom europäischen Gesetzgeber eingeführten Maßnahmen, die seiner Auffassung nach von „großer Bedeutung“ sind, da sie die europäische und globale Sichtweise der europäischen Unternehmen widerspiegeln. Er erinnerte daran, dass das Parlament, die Kommission und der luxemburgische Ratsvorsitz die Trilogverhandlungen zur Überarbeitung der Aktionärsrechterichtlinie aufgenommen haben. Dem Minister zufolge zielt die Überarbeitung dieser Richtlinie darauf ab, die Corporate Governance-Qualität insgesamt zu verbessern, indem die Aktionäre zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den börsennotierten Unternehmen, in die sie investieren, angeregt werden, und eine längerfristige Perspektive im Hinblick auf ihre Investitionen zu verfolgen.

Nachhaltige Investitionen und neue Finanzierungsformen zur Förderung des Wachstums in Europa

Die EU-Kommissarin für Justiz Věra Jourová wies darauf hin, dass bereits eine Vielzahl von Corporate Governance-Maßnahmen auf europäischer Ebene ergriffen worden seien. Sie nannte unter anderem die seit 2014 geltende Richtlinie über den Zugang zur Tätigkeit von Kreditinstituten und die Beaufsichtigung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen („CRD IV“-Richtlinie) und kündigte weitere künftige „Schritte“ an, etwa die Überarbeitung der Richtlinie über die Rechte von Aktionären oder den Vorschlag einer Richtlinie über Einpersonengesellschaften.

Die EU-Kommissarin rief dazu auf, zur Förderung des Wachstums in Europa nachhaltige Investitionen stärker zu begünstigen. Sie betonte außerdem die Notwendigkeit, zu diesem Zweck alle Formen der Finanzierung zu nutzen, darunter auch innovative Finanzierungsquellen wie etwa das sogenannte Crowdfunding. „Diese alternativen Finanzierungsformen sind sachdienlich, da sie die Gewinnung neuer Investitionen ermöglichen“, erläuterte sie.

Nach Ansicht der EU-Kommissarin ergänzen sich neue Finanzierungsformen und Corporate Governance gegenseitig. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an den bestehenden Europäischen Corporate Governance-Rahmen, der das Vertrauen von Investoren stärke und zum Schutz der Aktionäre beitrage, und rief dazu auf, diesen Rahmen unabhängig von den Finanzierungsmethoden der Unternehmen einzuhalten.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 15-12-2015