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Europäisches Tourismusforum – Francine Closener stellt die Herausforderungen vor, mit denen der Tourismussektor in Europa konfrontiert ist

17-09-2015 / 18-09-2015

Francine Closener bei der Eröffnung des Europäischen Tourismusforum am 15. September 2015
© Luc Deflorenne
Am 17. und 18. September 2015 findet in Luxemburg das 14. Europäische Tourismusforum statt, eine von der Europäischen Kommission im Rahmen des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes organisierte Veranstaltung. Für die Ausgabe 2015 werden sich die Redner auf die wichtigen Herausforderungen konzentrieren, mit denen der Tourismussektor heute konfrontiert ist: die Digitalisierung, die Vermarktung Europas durch grenzüberschreitende und europaweite thematische Produkte, Kompetenzen und Ausbildung sowie die Rationalisierung des rechtlichen und administrativen Rahmens. Francine Closener, Staatssekretärin für Wirtschaft, eröffnete das Forum, das „dafür bestimmt ist, Wege für die Zukunft des europäischen Tourismus aufzuzeigen“, vor Vertretern des öffentlichen und privaten Sektors mit einem Willkommensgruß.

Francine Closener: Zusammenarbeiten, um den Herausforderungen, vor denen der Tourismus steht, die Stirn zu bieten

Francine Closener erinnerte daran, dass der Tourismus ein „äußerst dynamischer“ Wirtschaftssektor und eine „wahre Triebkraft für das Wirtschaftswachstum“ sei, betonte aber auch, dass er vor „zahlreichen Herausforderungen“ stehe. „Wenn Europa seine Position als weltweit wichtigstes Tourismusziel behalten soll, müssen Sie zusammenarbeiten, um sich diesen Herausforderungen zu stellen“, meinte sie und nannte die Digitalisierung, die Förderung, die Kompetenzen und Ausbildung sowie die Visumpolitik. „Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, unsere Ideen und Erfahrungen auszutauschen“, betonte die Staatssekretärin, und das auch wenn der Tourismus kein Bereich ist, der in die Zuständigkeit der EU fällt.

Mit der Anmerkung, dass Europa aus vielfältigen Reisezielen bestehe, fügte Francine Closener hinzu, dass es genau diese Vielfalt sei, die Europas Stärke ausmache. „Natürlich besteht Konkurrenz zwischen den europäischen Reisezielen, und das wird sich nie ändern, aber wir müssen eine Verständigungsgrundlage finden, um unsere Territorien gemeinsam zu fördern“, so wie es z. B. die USA oder Australien „mit großem Erfolg“ tun, betonte sie. Dies könnte auf Initiative der Mitgliedstaaten geschehen, schlug die Staatssekretärin vor und rief die Kommission dazu auf, „den Ton anzugeben“.

Slawomir Tokarski: Der Tourismus ist einer der wenigen Sektoren, die trotz der Rezession weiter wachsen

Slawomir Tokarski, Leiter bei der Generaldirektion für Wachstum der Europäischen Kommission, betonte, dass der Tourismus einer der wenigen Sektoren sei, die trotz der Rezession weiterhin wachsen. Er mache heute 12 % des europäischen BIP aus und beschäftige 12 Millionen Menschen, von denen über 20 % jünger als 25 Jahre alt sind. Der Tourismus habe auch Auswirkungen auf andere Sektoren, bemerkte der Redner und nannte den Sektor der Mode, aber auch den der Kulturindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, des Verkehrs und öffentlicher Bauvorhaben. Der Tourismus müsse sich jedoch auch mit zahlreichen Herausforderungen auseinandersetzen, fügte er hinzu, wie zum Beispiel die steigende Konkurrenz auf globaler Ebene, die digitale Revolution und die Alterung der Bevölkerung. „Es wird Zeit, diese Herausforderungen anzunehmen und zu sehen, wie wir sie in Vorteile für den Tourismussektor, die Wirtschaft und die Verbraucher umwandeln können.“

Michael Cramer: Plädoyer für den Fahrradtourismus

Der Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr im Europäischen Parlament, Michael Cramer, ergriff anschließend das Wort für ein Plädoyer für den Fahrradtourismus in einer Zeit, in der der Verkehr zu 24 % für die CO2-Emissionen in der EU verantwortlich ist und diese im genannten Sektor seit 1990 um 28 % gestiegen sind. „Die Mobilität muss verändert werden, um dem Klimawandel ein Ende zu bereiten“, sagte er.

Er begrüßte die Strategie der EU für die Donauregion sowie ihr Pendant für die Ostseeregion und ganz besonders die Fahrradwege, die sie beinhalten. „Seit 20 Jahren nimmt der Fahrradtourismus in diesen Regionen jedes Jahr um 20 % zu“, lobte der Europaabgeordnete und fügte hinzu, dass Fahrradtouristen im Durchschnitt mehr ausgeben (35 Euro pro Tag) als Urlauber, die mit dem Auto unterwegs sind (10 Euro pro Tag). Ihm zufolge nutzt der Fahrradtourismus daher nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch der Wirtschaft. Außerdem bringe der Fahrradtourismus mit seinen 15 EuroVelo-Fahrradwegen, die sich auf 80 000 km über ganz Europa erstrecken, der EU jedes Jahr 44 Milliarden Euro ein und beschäftige 700 000 Menschen, erklärte der Redner. „Die Projekte in diesem Bereich werden bis zu 85 % von der Europäischen Kommission finanziert, und die Gewinne kommen ganz und gar den Regionen zugute“, schloss er.

Taleb D. Rifai: Der Tourismus wächst auf globaler Ebene das 5. Jahr in Folge 

Zum Abschluss richtete Taleb D. Rifai, Generalsekretär der Weltorganisation für Tourismus, eine Videobotschaft an die Forumsteilnehmer. Er erinnerte vor allem daran, dass der Tourismussektor auf globaler Ebene das 5. Jahr in Folge wachse: 2014 reisten 1,1 Milliarden Touristen durch die ganze Welt (4,3 % mehr als im Jahr zuvor) und erzeugten 1 300 Milliarden Dollar. Besonders der Tourismus in Europa ist 2014 um 3 % gestiegen und erzeugte 445 Milliarden Euro. „Für zahlreiche Mitgliedstaaten ist der Tourismus ein entscheidender Faktor zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausfuhren“, fügte er hinzu. Heute sei Europa die am meisten besuchte Region der Welt: Sie empfange mehr als die Hälfte der Touristen auf globaler Ebene, und 2030 werde diese Zahl 745 Millionen Menschen betragen, bemerkte Taleb D. Rifai außerdem. „Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors wird aber von den Dingen abhängen, die er heute auf den Weg bringt, um sich an die Entwicklungen des Marktes anzupassen“, schloss er.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 18-09-2015