Bildung, Jugend, Kultur und Sport
Ratssitzung

Rat Sport - Debatte über das Potenzial des Sports in der Erziehung von Jugendlichen einschließlich jugendlicher Migranten

24-11-2015

Die europäischen Sportminister kamen am 24. November 2015 in Brüssel zum zweiten Sitzungstag des Rates „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ zusammen. Die Minister verabschiedeten die Schlussfolgerungen zur Förderung der motorischen Fähigkeiten sowie der körperlichen und sportlichen Aktivitäten von Kindern und Schlussfolgerungen zur stärkeren Positionierung der EU innerhalb der Welt-Anti-Dopingagentur. Die Minister führten außerdem eine Debatte über das Potenzial des Sports für die Erziehung von Jugendlichen einschließlich jugendlicher Migranten. Romain Schneider, der den Ratsvorsitz führte, bezeichnete den Sport als „sehr wichtige Säule“ und als ein „Sprungbrett“, das den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen kann.

Debatte über das Potenzial des Sports in der Erziehung

Minister Romain Schneider et EU-Kommissar Tibor Navracsics bei der Pressekonferenz am 24. November 2015
(c) The European Union
Die Minister tauschten ihre Ansichten über das Potenzial des Sports in der Erziehung aus und behandelten die Frage, wie  Sport benachteiligten Jugendlichen einschließlich jugendlichen Migranten helfen kann, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Romain Schneider begrüßte während einer Pressekonferenz am Ende des Rates die „fruchtbare Debatte“. Er bezeichnete den Sport als „sehr wichtige Säule“ und als ein „Sprungbrett“, das den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen kann. Er sprach die Präsentation konkreter Beispiele an, die auf andere Regionen und Länder übertragen werden können.

Tibor Navracsics, Europäischer Kommissar für Sport, hob hervor, wie wichtig Sport sei, um ein Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen und um einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Es handele sich um Erfahrungen, die „für Jugendliche, für die eine Gefahr der Exklusion besteht, wichtig sind. Heute ist dies von essentiellerer Bedeutung als je zuvor“, erklärte er unter Bezugnahme auf die Attentate am 13. November 2015 in Paris. Er wies außerdem darauf hin, dass er den Ministern die Bereitstellung europäischer Mittel und Instrumente im Bereich Sport angeboten habe und nannte insbesondere Erasmus+.

Zwei Gäste nahmen am Ratstreffen teil: Mathieu Moreuil, Vertreter der englischen ersten Liga, und der zweifache Leichtathletik-Olympiasieger Edwin Moses, Präsident der „ Laureus World Sports Awards“. Sie berichteten über ihre Erfahrungen. Edwin Moses will über 150 verschiedene Projekte überall in der Welt, die von der „Laureus Foundation“ unterstützt werden, die Teilhabe aller am Sport fördern und stärken und den Sport als Mittel für soziale Veränderungen nutzen, um benachteiligten Jugendlichen in aller Welt zu helfen.

Das Thema der sozialen Integration durch Sport stand im Zentrum der Diskussionen während eines strukturierten Dialoges beim Mittagessen. Zu ihm hatten sich vor der Ratssitzung mehrere Vertreter des Sports versammelt, um über ihre Projekte zu sprechen sowie über ihre Erwartungen an Behörden und europäische Institutionen, damit Sport besser für die soziale Integration von benachteiligten Jugendlichen und Migranten genutzt werden könne.

Der künftige niederländische Ratsvorsitz präsentierte seine Schwerpunkte zum Thema „Sport“ für das erste Halbjahr 2016. Diese Prioritäten beziehen sich auf das allgemeine Thema der Integrität des Sports.

Schlussfolgerungen zur Förderung der motorischen Fähigkeiten sowie der körperlichen und sportlichen Aktivitäten von Kindern

Der Rat verabschiedete Schlussfolgerungen zur Förderung der motorischen Fähigkeiten sowie der körperlichen und sportlichen Aktivitäten von Kindern auf der Grundlage einer Empfehlung des Rates vom November 2013. In ihr wurden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, eine sektorenübergreifende Politik und integrierte Strategien zu entwickeln, welche die Bereiche Sport, Bildung, Gesundheit, Verkehr, Umwelt, Städteplanung und andere maßgebliche Sektoren einbeziehen, und betonte, dass "Leibeserziehung in der Schule ein wirksames Mittel sein kann, um das Bewusstsein für die Bedeutung gesundheitsfördernder körperlicher Aktivität zu stärken".

In den Schlussfolgerungen wird festgestellt, dass die körperliche Aktivität von Kindern in den vergangenen 20 Jahren abgenommen habe und bei Kindern zunehmend Probleme wie Übergewicht und Fettleibigkeit auftreten. Fast 7 % der nationalen Gesundheitsbudgets in der EU werden jedes Jahr für die Behandlung von Krankheiten aufgewendet, die mit Fettleibigkeit in Verbindung stehen.

Die Schlussfolgerungen nehmen auch Bezug auf die von der EU empfohlenen Leitlinien für körperliche Aktivität In diesen wird hervorgehoben, dass sich die täglichen Gewohnheiten von kleinen Kindern aufgrund eines neuen Freizeitverhaltens verändert haben (Fernsehen Internet, Videospiele, Smartphones, usw.) und dass „diese Entwicklung mit einem verstärkten Auftreten von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern einhergeht“.

Nach Ansicht der Minister müssen alle Kinder (einschließlich Kinder mit Behinderungen) dazu angehalten werden, sich körperlich zu betätigen, um gesundheitlichen Problemen und Problemen bei der Entwicklung der Kinder vorzubeugen. Sie unterstrichen die Bedeutung des frühkindlichen Lernprozesses, der als motorische Entwicklung bezeichnet wird, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Dieser „verläuft nicht immer natürlich“. „Daher ist es von größter Bedeutung, Möglichkeiten für körperliche Aktivitäten von Kindern zu schaffen und für eine stärkere Sensibilisierung in dieser Frage zu sorgen“, betonten die Minister.

Die Minister forderten dazu auf, alle Empfehlungen zu beachten, die von der Expertengruppe für gesundheitsfördernde körperliche Aktivität im Juni 2015 veröffentlicht wurden. Die Einsetzung dieser Expertengruppe erfolgte im Rahmen des zweiten Arbeitsplans der Europäischen Union für den Sport 2014-2017, der am 21. Mai 2014 verabschiedet wurde. Auf der Basis dieser Empfehlungen fordern die Minister unter anderem dazu auf, der Phase vor dem Eintritt in die Vorschule und Schule besondere Aufmerksamkeit zu schenken und die Schulen zu ermutigen, einen Kooperationsrahmen mit Sportanbietern zu schaffen, um schulische und außerschulische Aktivitäten zu fördern. Sie weisen ferner auf die Notwendigkeit hin, die Eltern, die Familie und das Umfeld im weiteren Sinne dazu anzuhalten, sich mit den Kindern an geeigneten Orten aktiv an körperlichen Aktivitäten zu beteiligen.

Schlussfolgerungen mit dem Ziel, die Position der EU in der Welt-Antidoping-Agentur zu stärken

Der Rat verabschiedete die Schlussfolgerungen mit dem Ziel einer verbesserten und verstärkten Vertretung der EU-Mitgliedsstaaten im Stiftungsrat der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) und kam damit einem Wunsch nach, der bereits während eines informellen Treffens am 7. Juli 2015 geäußert wurde. Außerdem sollen die Positionen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten vor jeder Sitzung der WADA besser abgestimmt werden.Die Vertretung und Koordination der EU im WADA-Stiftungsrat beruhen auf einer Entschließung des Rates aus dem Jahr 2011.

Der Stiftungsrat als oberstes Entscheidungsorgan der WADA besteht aus 38 Mitgliedern, die sich paritätisch aus Gremien des Sports und aus Regierungsinstitutionen zusammensetzen. Europa hat dort fünf der 18 Sitze inne, die den Behörden zugewiesen wurden. Drei Sitze hält die EU, zwei der Europarat. Neue Vertreterin der EU wird die britische Sportministerin Tracey Crouch, erklärte Romain Schneider.

Keine Einigung über die Unterzeichnung des Übereinkommens des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben

Der Rat wurde vom Ratsvorsitz über den Prozess der Unterzeichnung des Übereinkommens des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben informiert. Das Übereinkommen hat das Ziel, die Manipulation von Ergebnissen, insbesondere Spielabsprachen, zu bekämpfen und die Integrität des Sports zu fördern. Laut dem Kommissar blockiere Malta den Prozess aus „wirtschaftlichen Gründen“ und aufgrund der „Struktur“ seiner Volkswirtschaft, die ihm zufolge durch dieses Übereinkommen und seine Bestimmungen zu Online-Wetten „erheblich beeinträchtigt“ werde. Romain Schneider erklärte, dass dieser Mitgliedsstaat die Definition der „illegalen Sportwette“ in dem Übereinkommen ablehne. 

Ferner informierte die Kommission den Rat über die Bilanz der Europäischen Woche des Sports, die vom 7. bis 13. September 2015 stattfand, sowie über die Leitlinien für die Veranstaltung im Jahr 2016, die am 18. November 2015 veröffentlicht wurden.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 25-11-2015