Wettbewerbsfähigkeit - Wirtschaft und Finanzen
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Konferenz „ Manufuture 2015“ – Die Bedeutung von Investitionen zur Sicherung der Innovationen in der verarbeitenden Industrie stand im Mittelpunkt der Diskussionen

23-11-2015

Im Rahmen des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes fand vom 23. - 24. November 2015 die Konferenz „Manufuture 2015” in Luxemburg statt. Das Hauptziel dieser Konferenz, einer Begegnung der Akteure und Experten der europäischen Industrie, besteht darin, neue Instrumente für den Politik-, Finanz- und Wissenschaftsbereich zu identifizieren und zu bestätigen, die dazu beitragen könnten, den Bereich Forschung und Innovation in Europa zu stärken und zu optimieren. In ihrer Eröffnungsrede betonten die Redner die Bedeutung der Investitionen in der verarbeitenden Industrie. Francine Closener, Staatssekretärin für Wirtschaft, betonte insbesondere die Innovation als Garant der Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie in Europa.

Die verarbeitenden Industrie war und ist weiterhin „das Rückgrat der europäischen Wirtschaft”

In ihrer Eröffnungsrede betonte die luxemburgische Staatssekretärin für Wirtschaft, Francine Closener, dass die verarbeitende Industrie „das Rückgrat der europäischen Wirtschaft war” und „weiterhin ist”, und zwar aufgrund ihres Beitrags zu Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Innovation. „Allerdings wurde die europäische Industrie in den letzten Jahren aufgrund der verschärften Konkurrenz der Schwellenmärkte immer stärker bedroht”, erklärte sie. Ihrer Meinung nach sollten die Unternehmen „die Chancen des Weltmarkts ergreifen”, um „die Tendenz hin zur Deindustrialisierung und mangelnden Investitionen umzukehren” und „einen hohen Lebensstandard in Europa beizubehalten”. Sie müssen sich stärker in die globalen Wertschöpfungsketten integrieren und ihre Position als Vorreiter in Bezug auf innovative Produkte und Prozesse festigen, betonte sie.

Der verarbeitenden Industrie kommt eine große Bedeutung zu, weshalb das Thema zu den Prioritäten des luxemburgischen Ratsvorsitzes zählt. In diesem Zusammenhang wird die Notwendigkeit hervorgehoben, die Investitionstätigkeit anzuregen, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern, den Binnenmarkt wieder zu beleben (indem man sich insbesondere auf die digitale Komponente konzentriert), die europäische Wettbewerbsfähigkeit in einen globalen und transparenten Rahmen zu stellen, die nachhaltige Entwicklung zu fördern und schließlich die Präsenz der EU auf der internationalen Ebene zu stärken, erklärte Francine Closener.

Francine Closener bei der Manufuture-Konferenz am 23. November 2015
„Außerdem handelt der luxemburgische Ratsvorsitz auf der Grundlage des Investitionsplans für Europa, des Juncker-Plans”, fügte sie hinzu und wies weiter darauf hin, dass durch die Einführung des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) zur Verfügung stehende europäische Fonds mobilisiert würden, um strategische Investitionsprojekte zu finanzieren, die einen Mehrwert für die EU bedeuten. „Im besonderen Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen die KMU”, denen „es schwerer fällt, in die Bereiche Innovation, Export und die Integration der globalen Wertschöpfungsketten zu investieren”, ergänzte sie.

Die Staatssekretärin erklärte zudem, dass der luxemburgische Ratsvorsitz die Kommission dabei unterstütze, den Gesetzesrahmen vorhersehbarer zu gestalten und die Schranken der Investitionen zu beseitigen. „Es ist sehr wichtig, dass die von der Kommission vorgeschlagene Kapitalmarktunion zustande kommt”, betonte sie und bedauerte, dass die Kapitalmärkte in Europa „weiterhin fragmentiert” und „und auf die inländischen Märkte beschränkt sind”.

Francine Closener ist der Meinung, dass es wesentlich sei, die Hindernisse grenzüberschreitender Investitionen zu beseitigen und den KMU, ebenso wie großen Unternehmen, den Finanzierungszugang auf den Kapitalmärkten aller Mitgliedsstaaten der EU zu erleichtern.

„Der luxemburgische Ratsvorsitz hat im Hinblick auf die Förderung der europäischen Industriepolitik sehr aktiv gehandelt”, so Francine Closener. Sie erinnerte an die außerordentliche Tagung des Rates „Wettbewerbsfähigkeit”, die am 9. November 2015 vom luxemburgischen Ratsvorsitz einberufen wurde und auf der die Minister die notwendigen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie in Europa näher betrachtet hatten.

Ihrer Meinung nach beruhe die Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie auf der Innovation, insbesondere auf der Erhebung, Verarbeitung und Analyse von Daten, anhand derer es aus ihrer Sicht möglich sei, „unsere Prozesse nachzuvollziehen” und „zu optimieren” sowie „produktivitätssteigernd zu wirken”. Sie rief die von der luxemburgischen Regierung initiierte Initiative in Erinnerung, die darin bestand, ein wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (Important Project of Common European Interest, IPCEI) in Bezug auf Anwendungen, die HPC und Big Data nutzen, ins Leben zu rufen. Das Projekt besteht darin, die industrielle Souveränität Europas in Bezug auf die wichtigsten HPC-Technologien zu gewährleisten, die Entwicklung neuer HPC-Anwendungsmöglichkeiten durch die Industrie zu unterstützen und Zugang zu Weltklasse-HPC-Anlagen für die öffentliche und private Forschung zu garantieren. Die Staatssekretärin bestärkte die verarbeitende Industrie darin, die Chancen zu ergreifen, die diese Initiative bietet.

„Förderung von privaten Investitionen im digitalen Zeitalter”

Auch Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, wies nachdrücklich auf die Bedeutung der verarbeitenden Industrie hin. „Dieser Sektor macht derzeit 7 Milliarden Euro der europäischen Wirtschaft aus, ist für 80 % der gesamten Exporte aus der EU verantwortlich und schafft insbesondere in den KMU 30 Millionen direkte und doppelt so viele indirekte Arbeitsplätze”, so der Kommissar. Die Kommission wird die verarbeitende Industrie bei der Anpassung an das digitale Zeitalter unterstützen, insbesondere anhand des Programms „Horizon 2020" und verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen. „Wir möchten sowohl Anreize als auch gute Rahmenbedingungen bieten, um private Investitionen im digitalen Zeitalter zu fördern”, erklärte der Kommissar.

„Abgesehen von einem Investitionsdefizit besteht auch ein enormes Innovationsdefizit in Europa”

„Die Industrie ist ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft der EU”, erklärte Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB). Er führte vor Augen, dass in der EU ein Investitionsdefizit besteht, das etwa 15 % unterhalb des Niveaus liegt, das vor der Krise zu verzeichnen war.

Der Redner plädierte für eine industrielle Wiedergeburt in Europa auf der Grundlage der Digitalisierung und des Ausbaus der Stärken der verarbeitenden Industrie in der EU. Im Hinblick auf die digitale „Revolution“ betonte Werner Hoyer, wie wichtig es sei, innerhalb der EU einen einheitlichen digitalen Rahmenzu schaffen, da Europa seiner Meinung nach keine Vorreiterrolle einnehmen könne, wenn weiterhin 28 unterschiedliche Regulierungsbehörde nebeneinander bestehen.

Abgesehen von einem Investitionsdefizit besteht auch ein enormes Innovationsdefizit in Europa”, sodass die EU ihren Platz „hinter den weltweit führenden Kräften der Innovation einnimmt”, fuhr Werner Hoyer weiter fort. Diese beiden Defizite wirkten sich seiner Meinung nach negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie aus.

Deshalb seien seiner Meinung nach der „Juncker-Plan” und der EFSI so wichtig, um den Investoren Garantien zu gewähren und um es ihnen zu ermöglichen, sich an mehr Projekten mit höheren Risiken zu beteiligen.

Die technische Innovation bietet „den Industrieländern eine einzigartige Chance, um ihre verarbeitende Industrie wieder zu beleben”

Nach Meinung von Michel Wurth, dem Präsidenten der luxemburgischen Handelskammer, war die Industrie seit jeher eine „treibende Kraft des Wandels in der Gesellschaft”, insbesondere im Hinblick auf die Technologie und Produktivität. Angesichts der rückläufigen Entwicklung der verarbeitenden Industrie in der EU in den letzten Jahren betonte er, dass es notwendig sei, „den Platz und die Rolle, die die Industrie in unserer Geselschaft einnimmt, neu zu definieren” , da er der Meinung sei, dass in diesem Sektor „die Zukunft unseres Kontinents liegt”.

Seiner Meinung nach habe sich die Strategie der verarbeitenden Industrie aufgrund der technologischen Entwicklungen verändert . So sei die Produktivität heute nicht mehr von der Massenproduktion und von billigen Arbeitskräften abhängig, sondern in zunehmendem Maße davon, dass neue Technologie,, insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die 3D-Drucktechniken, eingebracht würden. „Für die Industrieländer handelt es sich hierbei um eine einzigartige Chance, ihre verarbeitende Industrie wieder neu zu beleben und auf weltweiter Ebene weiterhin eine Vorreiterrolle einzunehmen”, so Wurth.

In diesem Zusammenhang komme es aus der Sicht des Redners dem Privatsektor zu, die notwendige Kreativität unter Beweis zu stellen und angemessene Risiken einzugehen, um Innovationen hervorzubringen. „ Die Gesellschaft wiederum muss auf die Exzellenz auf dem Gebiet der Wissenschaft, auf eine gute Bildung und Ausbildung sowie auf die Einführung eines „level playing field” im Hinblick auf die Gesetzgebung, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel und die Energiepreise , setzen”, so Michel Wurth.

„Jede Strategie für die verarbeitende Industrie sollte eine Investitionsstrategie für diesen Sektor beinhalten, um erfolgreich sein zu können”

Heinrich Flegel, Präsident der „hochrangigen Gruppe von Manufuture”, betonte ebenfalls, dass es wichtig sei, massiv in die verarbeitende Industrie, insbesondere in die wissenschaftliche Forschung und Innovation, zu investieren. „Jede Strategie für die verarbeitende Industrie sollte eine Investitionsstrategie für diesen Sektor beinhalten, um erfolgreich sein zu können”, wiederholte er angesichts der Feststellung, dass in Europa im Hinblick auf diesen Sektor die Kapitalinvestitionen und die Profite „stark korrelieren”. Aus seiner Sicht werde die verarbeitende Industrie „die Antriebskraft einer neuen wissensbasierten Wirtschaft mit geringem Kohlenstoffeinsatz unter effizientem Einsatz der verfügbaren Ressourcen sein”.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 24-11-2015