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Konferenz über die Doppelkarriere von Sportlern – Romain Schneider visiert die bestmöglichsten Bestimmungen zur Vereinbarung von Sport und Studium und die besten Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten für die Zeit nach der Sportlerkarriere

20-11-2015

Romain Schneider in Munsbach am 20. November 2015
Im Rahmen des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes organisierte das Sportministerium in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission und dem Sportlycée Luxemburg am 20. November 2015 in Munsbach eine internationale Konferenz zum Thema Förderung der Doppelkarriere von Sportlern (“dual career” auf englisch).

Dieses Treffen, das Fachleute, Praktiker und politische Verantwortliche zusammenbrachte, hatte zum Ziel, die Arbeiten zu diesem Thema auf europäischer Ebene zusammenzufassen sowie einen Erfahrungs- und Ideenaustausch zwischen den Akteuren zu ermöglichen. Es gehe darum, Lösungsstrategien zu definieren, um "bei allen Aspekten eines Themas voranzukommen, das eine der Prioritäten unseres Ratsvorsitzes darstellt", betonte der Sportminister Romain Schneider, der die Eröffnungsrede der Konferenz hielt.

Zur Erklärung: Die Förderung der Doppelkarriere für Sportler beruht auf einer Feststellung: Um im Hochleistungssport erfolgreich sein zu können, ist es nötig, intensive Ausbildungsprogramme zu verfolgen und an nationalen und internationalen Wettkämpfen teilzunehmen, was sich manchmal schwer mit den Herausforderungen und Beschränkungen des Bildungssystems und des Arbeitsmarktes vereinbaren lässt. Im Übrigen enden Sportlerkarrieren in einem relativ jungen Alter, und nur wenige können von ihrer Sportlerrente leben.

Man muss die besten Ausbildungs- und Schulungsmöglichkeiten für die Zeit nach der Sportlerkarriere bieten

Als Einführung erinnerte der Sportminister Romain Schneider daran, dass, wenn das Thema der Doppelkarriere der Sportler "ein relativ neues Anliegen der EU” sei, der “engere Kreis” der Personen, die sich “für dieses sehr besondere Thema” interessieren, “in stetigem Wachstum” sei. “Nachdem wir unsere Athleten im Verlauf ihrer Sportlerkarriere unterstützt und gefördert haben, müssen wir ihnen eine berufliche Zukunft bieten, denn es gibt nicht viele, die von ihrer Sportlerrente leben können”, betonte er.

Auch wenn der Sport unter die nationale Zuständigkeit fällt, geht es für den Minister dennoch darum, dem Prinzip der Doppelkarriere eine europäische Dimension zu verleihen und Anstrengungen an den Tag zu legen, um über den rein nationalen Rahmen hinauszugehen. “Es geht darum, den jungen Sportlertalenten die bestmöglichen Bestimmungen zu bieten, um Sport und Studium miteinander vereinbaren zu können, sowie die besten Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten für die Zeit nach der Sportlerkarriere”, fuhr der Minister fort.

Romain Schneider sprach den Fall Luxemburg an, für den dieses doppelte Ziel umso wichtiger ist, da er oft vorschreibt, “Lösungen jenseits unserer Grenzen zu suchen, um unseren besten Athleten dank Kooperationen oder internationalen Austauschen und auch dank einer gesteigerten Mobilität unserer Studenten und unserer Sportler quer durch ganz Europa einen ähnlichen Rahmen zu bieten”. In dieser Hinsicht brachte der Minister den Wunsch zum Ausdruck, dass die Europäer auf diesem Gebiet “Pioniere und Erneuerer” seien, indem sie die natürlichen Barrieren überwinden, die sie aus sportlichen Wettbewerbs- und Konkurrenzgründen zwischen den Ländern errichten.

Antonio Silva Mendes, Leiter für Jugend und Sport bei der EU-Kommission, erinnerte für seinen Teil daran, dass die Wichtigkeit der Dimension des Sports seit dem Vertrag von Lissabon auf europäischer Ebene nicht nur als Mittel zur Verstärkung körperlicher Aktivität in den Vordergrund gestellt wurde, wie es zuvor der Fall gewesen war, sondern auch als Träger sozialer Integration. Dem Leiter zufolge gehe es dennoch darum, einen integrierteren und übergreifenderen Ansatz in Sachen Sportförderung zu gewährleisten, vor allem innerhalb des Bildungsmilieus, aber auch in anderen Bereichen. “Man muss Bedingungen schaffen, um die Verbindung zwischen Erziehung und Sport herzustellen”, unterstrich er und begrüßte “die umfangreichen Anstrengungen des luxemburgischen Ratsvorsitzes” in diesem Zusammenhang.

In Sachen Förderung der Doppelkarriere von Sportlern erinnerte Antonio Silva Mendes daran, dass auf der Grundlage des vom Rat festgelegten Arbeitsplans der EU für den Sport 2011-2014 die EU-Expertengruppe “Aus- und Weiterbildung im Sport” 2012 Orientierungen zu diesem Thema definiert hatte. Diese waren Gegenstand der Schlussfolgerungen des Rats vom 17. Mai 2013, die zur Umsetzung mehrerer Aktionen aufrufen. Außerdem hat der Rat mehrere länderübergreifende Projekte sowie mehrere Studien zu dem Thema kofinanziert, darunter eine über die minimalen Qualitätsanforderungen für die Dienstleistungen in Sachen Doppelkarriere, deren Vorergebnisse als erstes bei der Konferenz vorgestellt wurden.

Im Bereich des Spitzensports liegt die Priorität sehr häufig bei den Sportergebnissen

Mehrere Präsentationen folgten der Einführungssitzung, von denen die erste eben die zuvor erwähnte Studie zum Thema hatte, deren definierte Ergebnisse zum Jahresende 2015 veröffentlicht werden. Einer ihrer Autoren, Dr. Cees Vervoorn von der “Amsterdam University of Applied Sciences”, betonte, das Ziel dieser Studie war es, ein Ensemble an Minimalanforderungen für die angestrebten Dienstleistungen sowie ein Modell für einen Qualitätsrahmen in diesem Bereich festzulegen, aber diese Arbeit sei ganz besonders schwierig gewesen, während die Praktiken in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich sind.

Unter den entscheidenden Botschaften, die aus dieser Arbeit hervorgehen, betonte der Forscher die Tatsache, dass in der EU mindestens 100 000 Athleten betroffen seien, “aber sicher wesentlich mehr”, in einem Kontext, in dem im Bereich des Spitzensports die Tendenz dahin geht, nur eher das sportliche Potenzial herauszustellen als die Förderung der Kombination aus Bildung, Arbeit und Sport. Somit liegt die Priorität bei den Sportergebnissen. Im Übrigen sind in den Mitgliedstaaten die bestehenden Systeme von "extremer Verschiedenheit" und gehen von der kompletten Abwesenheit bis zu gut etablierten Systemen, stellte er fest und bemerkte außerdem die nicht-vorhandene Standardisierung der Minimalanforderungen und die Schwierigkeit, deren Ergebnisse zu messen.

Die Studie zeigt auch, dass die Bedürfnisse der Athleten in diesem Kontext erkannt und messbar gemacht werden können, und dass ein Modell an Minimalanforderungen für die Dienstleistungen in Bezug auf die Doppelkarriere entwickelt werden kann, ebenso wie Gütesiegel, unterstrich der Forscher.

Die Doppelkarriere muss es den Einzelnen ermöglichen, ihr volles Potenzial in allen Bereichen zu erreichen

Guy Taylor hingegen, der der EU-Expertengruppe für die Personalentwicklung im Sport vorsitzt, kam auf das eigentliche Prinzip der Doppelkarriere für Sportler zurück. Im Übrigen nationaler Koordinator des “Sport England Talented Athlete Scholarship Scheme” (TASS), ein von der britischen Regierung unterstütztes Partnerschaftsprogramm zwischen jungen Athleten, Lehranstalten und öffentlichen Sportorganisationen, erklärte er vor allem, dass die Athleten Opfer eines Defizits in Sachen Bildungs- und Kompetenzpotenzial - das gilt für die Besten -, aber auch in Bezug auf das sportliche Potenzial sein können - das gilt für diejenigen, die nicht als talentiert genug erachtet werden, um an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen.

Das Prinzip der Doppelkarriere muss in diesem Zusammenhang zum Ziel haben, "eine Partnerschaft zwischen den Akteuren zu entwickeln, um es den Einzelnen zu ermöglichen, ihr volles Potenzial in Sachen Sport, Bildung, Beruf und Leben zu erreichen”, erklärte er. Ihm zufolge gehen mehrere Praktiken, die vorgeben, die Doppelkarriere zu begünstigen, in Wirklichkeit “in keiner Weise auf die Bedürfnisse der Athleten für ihr zukünftiges Leben” ein. “Ein Athlet, der mit seinem Studium ein Sportdiplom anstrebt, weil das alles ist, zu dem er Zugang hat, das ist keine Doppelkarriere”, betonte er vor allem.

Für den Fachmann gehen diese Probleme vor allem auf einen Mangel an Zustimmung, insbesondere auf politischer Ebene, die Notwendigkeit, derartige Dienstleistungen zu garantieren, sowie einen Mangel an Verständnis der Herausforderungen zurück. Er unterstrich auch einen Mangel an Engagement und Einsatz für den Sport sowie bei der Entwicklung von Bildungs- und Berufsstrukturen, die diesem Thema gewidmet sind. Die getroffenen Maßnahmen sind im Übrigen “symptomatisch”, bedauerte er.

Die besonderen Bedürfnisse der kleinen Länder

Pascal Schaul, stellvertretender Direktor des Sportlycée und Mitglied der EU-Expertengruppe  für die Personalentwicklung im Sport, kam seinerseits auf die Besonderheiten der kleinsten Länder im Zusammenhang mit der Doppelkarriere von Sportlern zurück. In Luxemburg müssen 80 % der Athleten im Ausland trainieren oder studieren, erinnerte er und bemerkte, dass die Mobilität der Athleten daher sehr wichtig sei.

Zwar sprechen mehrere Faktoren für die Integration ausländischer Athleten in die nationalen Strukturen (vor allem der Bedarf sehr spezieller Strukturen oder für Wasser- oder Wintersportarten in Abwesenheit von Möglichkeiten auf nationalem Gebiet), doch sind die Hindernisse in Sachen Doppelkarriere im Ausland zahlreich. Somit wird der Sport noch zu sehr als nationale Angelegenheit angesehen, u. a. aus Wettkampfgründen, und der Zugang zu den Infrastrukturen ist begrenzt, während sich auch die Frage der Finanzierung stellt, sagte er.

Für den stellvertretenden Direktor geht es daher darum, die Mobilität der Spitzenathleten im Kontext der Doppelkarriere der Sportler zu fördern, aber auch, über die Umsetzung eines europäischen Siegels für die Institutionen nachzudenken, die in diesem Bereich aktiv sind, sowie an die eines Spitzenathleten-Status'.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 21-11-2015