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KMU-Versammlung 2015 – Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die Hindernisse, mit denen kleine Unternehmen konfrontiert sind

18-11-2015 / 20-11-2015

Das Logo der KMU-Versammlung 2015
Die Europäische Kommission veranstaltete im Rahmen des luxemburgischen EU-Ratsvorsitzes vom 18. bis 20. November 2015, als krönenden Abschluss der Europäischen Woche für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die Europäische KMU-Versammlung 2015 in Luxemburg.

Am letzten Tag der Konferenz waren mehrere Sitzungen den Problemen, mit denen KMU konfrontiert sind, gewidmet. Zu diesen Problem zählen beispielsweise die Beschränkungen im Binnenmarkt oder das Defizit in Bezug auf digitale Kompetenzen.

Bei seiner Abschlussrede erklärte Costas Andropoulos, Referatsleiter der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (GD GROW) der Europäischen Kommission, dass die Kommission aus diesen Sitzungen mitnehmen werde, wie notwendig es sei, weiterhin „zuerst an die Kleinen zu denken“, die verbleibenden Mängel im Binnenmarkt zu beheben und die Mehrwertsteuervorschriften zu überarbeiten.

Während mehrerer Sitzungen plädierten einige Redner für eine stärkere Vereinfachung auf europäischer Ebene sowie für die Einrichtung einer einzigen Anlaufstelle, mit der die Eintragung von Unternehmen erleichtert werden kann. Denn eine große Mehrheit europäischer Unternehmer ist der Ansicht, dass der Binnenmarkt nicht richtig funktioniert. Eine große Herausforderung stellt die Mehrwertsteuer dar, die für mehr als 40 % der Unternehmen, die ihre Produkte über das Internet verkaufen, Probleme bereitet, so Remco de Bruin von der niederländischen Handelskammer. Folglich würden nur ein Drittel dieser Unternehmen ihre Produkte über die Grenzen hinweg verkaufen.

Eine weitere große Herausforderung, die Remco de Bruin hervorhob, ist einMangel an Informationen über die europäischen Vorschriften. Die Mehrheit der Unternehmen sei nämlich in Bezug auf die Vorschriften nicht auf dem Laufenden und knapp ein Viertel kenne den Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung nicht. Rund 40 % der Unternehmen würden davon ausgehen, dass sie dazu verpflichtet seien, ihre Produkte an die nationalen Vorschriften eines anderen Mitgliedstaats anzupassen. Somit stellt die Zertifizierung der Produkte eine große Sorge europäischer KMU dar. Ohne ihre Rechte zu kennen, seien sie ebenso unfähig, sich gegenüber nationalen Behörden zu verteidigen, welche die europäischen Vorschriften nicht immer ordnungsgemäß anwenden würden.

Zu den weiteren Problemen, die zur Sprache gebracht wurden, zählten die Kosten in Verbindung mit der Lieferung von Produkten ins Ausland, die Finanzierungsprobleme der KMU, die unterschiedlichen Steuersysteme sowie die Arbeits- und Lohnkosten.

Mehrere Teilnehmer verwiesen auf die Möglichkeiten der digitalen Wirtschaft, indem sie daran erinnerten, dass der Produktivitätszuwachs zwischen 2010 und 2014 für Unternehmen, die ihre Produkte über das Internet verkaufen, viermal höher gewesen sei als für traditionelle Unternehmen.

Was die Qualifikationen und Fähigkeiten anbelangt, erklärten rund vier von zehn Unternehmen, Schwierigkeiten bei der Einstellung von Kandidaten mit den notwendigen Qualifikationen zu haben. Einige wiesen darauf hin, dass es erforderlich sei, den Bildungsbereich der Arbeitswelt anzunähern und Kurse über das Unternehmertum hinanzubieten, um diese Lücke zu schließen. Eine Unternehmerin betonte, dass es wichtig sei, während der Gründung eines Unternehmen einen „Mentor“ zu haben.

Eine weitere Sitzung war der Flüchtlingsfrage und der Möglichkeit von Migranten zur Gründung von Unternehmen gewidmet. Ulrike Rabmer-Koller von der österreichischen Handelskammer erklärte, wie ihr Land von jungen Flüchtlingen profitieren könnte, insbesondere in bestimmten Regionen, wo Unternehmen keine Auszubildenden finden. Sie nannte als Beispiel eine Region, in der sich auf 100 Lehrstellen im Tourismussektor lediglich sieben Kandidaten gemeldet hätten. Nadia Qani, eine Deutsche mit afghanischen Wurzeln, erzählte von ihrer Erfahrung mit der Unternehmensgründung und betonte, dass es erforderlich sei, beharrlich zu sein und Wertschätzung zu erfahren.

Einige Redner behaupteten, dass viele Flüchtlinge über Erfahrung als Unternehmer verfügen würden; ein anderer Redner hingegen bestritt diese Aussage und erklärte, dass das Durchschnittsalter der Flüchtlinge in Deutschland 23 Jahre betrage und der Großteil nicht über hohe Qualifikationen verfüge.

Die Schlussfolgerungen der Konferenz

Abschließend präsentierten Costas Andropoulos, Referatsleiter der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (GD GROW) der Europäischen Kommission, und Sabine Soeder, Graphic Facilitator und Consultant, die Schlussfolgerungen der Konferenz.

Die KMU-Beauftragten haben von der Situation der KMU heute Kenntnis genommen“, so der Vertreter der Kommission, der begrüßte, dass diese untersuchen wollen, wie die Binnenmarktstrategie der Kommission den KMU zu Wachstum verhelfen kann.

Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die europäischen KMU „zum ersten Mal seit den letzten sechs Jahren“ wieder begonnen haben, Arbeitskräfte einzustellen. „Die Anzahl der Beschäftigten in den KMU ist gestiegen, was ein sehr gutes Zeichen für die KMU und Europa in seiner Gesamtheit ist“, sagte er, wobei er hinzufügte, dass „dies erst der Anfang ist“.

Costas Andropoulos wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es notwendig sei, „diese Tendenz weiter voranzutreiben“ und „die KMU mit sämtlichen möglichen und angemessenen politischen Maßnahmen zu unterstützen“. Er betonte ferner, dass es wichtig sei, den Sektoren, die während der Krise gelitten haben, wie zum Beispiel dem verarbeitenden Gewerbe, zu helfen, „den Rückstand gegenüber anderen Sektoren aufzuholen“.

„Aus den Diskussionen, die wir geführt haben, und von den Dingen, die wir gehört haben, können wir schlussfolgern, dass die Zukunft der KMU vielversprechend aussieht“, so Costas Andropoulos abschließend. „Die Kommission wird aus diesen Sitzungen mitnehmen, dass es notwendig ist, weiterhin „zuerst an die Kleinen zu denken“ („think small first“, Anm. d. Red.), die verbleibenden Mängel im Binnenmarkt zu beheben und die Mehrwertsteuervorschriften zu überarbeiten, vorausgesetzt die Mitgliedstaaten sind dazu bereit“, erklärte er.

Sabine Soeder begrüßte die Tatsache, dass alle Teilnehmer durch die zahlreichen Gespräche neue Ideen und Anregungen für die Zukunft sammeln konnten, so zum Beispiel im Hinblick auf das sogenannte „Crowd-funding“ und Twitter oder die Expansion des Unternehmens ins Ausland. „Von den Diskussionen haben wir gelernt, dass das Unternehmertum eine Fähigkeit darstellt“, stellte sie fest. „Wesentlich dafür sind die Beharrlichkeit und der Wille, etwas Neues zu versuchen, und es nach einem Scheitern erneut zu versuchen. Als Unternehmer muss man sich abheben“, fügte sie hinzu.

„Wir haben gemeinsam über Herausforderungen und Lösungen für Themen diskutiert, die von der Ausbildung junger Unternehmer über die Festlegung von Frühwarnsystemen für KMU, die vor dem Aus stehen, und die Integration von Flüchtlingen in unsere Wirtschaft bis hin zur Ermutigung von Unternehmerinnen, ihre Unternehmen zu vergrößern, reichen“, so Sabine Soeder.

Die nächste KMU-Versammlung wird 2016 in Bratislava (Slowakei) stattfinden.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 21-11-2015