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11. Runde der Mittelmeer-Wirtschaftstreffen – Die Initiative des Ratsvorsitzes für die Jugendbeschäftigung in den Maghreb-Ländern wird als „ein erster wesentlicher Schritt im Kampf gegen das Problem der Jugendarbeitslosigkeit“ begrüßt

07-11-2015

Am 7. November 2015 nahm Nicolas Schmit, Minister für Arbeit, Beschäftigung, Sozial- und Solidarwirtschaft, an der 11. Runde der Mittelmeer-Wirtschaftstreffen teil. Diese Konferenz, die von dem französischen Mittelmeerinstitut (Institut de la Méditerranée/FEMISE) und dem Kreis der französischen Wirtschaftswissenschaftler (Cercle des économistes) organisiert wurde, stand am Ende der Mittelmeer-Wirtschaftswoche und legte den Schwerpunkt bei der Notwendigkeit, die „Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und dem Maghreb durch Ausbildung und Unternehmertum zu stärken“.

Die Initiative, die im Juli 2015 vom luxemburgischen Ratsvorsitz anlässlich des informellen Treffens der Minister für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit vorgestellt wurde, stand im Mittelpunkt der Diskussionen. Sie wurde ausdrücklich von Ökonomen, Experten, Kräften vor Ort und zuständigen Politikern unterstützt, die bei dem Treffen anwesend waren. Dieser Vorschlag wurde von den Teilnehmern in ihrer Abschlusserklärung als „ein erster wesentlicher Schritt im Kampf gegen das Problem der Jugendarbeitslosigkeit“ erachtet.

 „Die soziale Frage, und speziell die Beschäftigung von Jugendlichen ist eine Frage der politischen Stabilität und der Sicherheit“

Fatallah Sijilmassi und Nicolas Schmit in Marseille am 7. November 2015 bei der Eröffnung des "Rendez-vous économiques de la Méditerranée"
„Der luxemburgische Ratsvorsitz der Europäischen Union misst der sozialen Dimension große Bedeutung bei“, erklärte Nicolas Schmit in seiner Eröffnungsrede. „Der Mangel an Perspektiven für viele unserer Bürger ist ein Katalysator für den Zulauf zu extremistischen Bewegungen und für das Misstrauen gegenüber der Politik“, stellte er weiter fest und betonte: „Die soziale Frage und speziell die Beschäftigung von Jugendlichen ist eine Frage der politischen Stabilität und der Sicherheit.“ Diese Feststellung gelte laut dem Minister sowohl für die Länder nördlich als auch für die Länder südlich des Mittelmeers. „Das Mittelmeer ist ein Gebiet, das von den Anrainern beider Ufer genutzt wird“, so der Minister, der appellierte, „neue Bande der Solidarität“ zu schaffen.

Die Idee zur europäisch-maghrebinischen Initiative für die Jugendbeschäftigung bestehe darin, „in unsere Jugend zu investieren, damit sie vollständig am Wirtschaftsleben teilnehmen und ihre Zukunft aufbauen kann“, rief Nicolas Schmit in Erinnerung. Die Initiative ziele auf die Stärkung und Erneuerung der Partnerschaft zwischen den Maghreb-Staaten und der Europäischen Union ab, um die Beschäftigung von Jugendlichen aktiver zu fördern. Die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze sei eine Priorität dieser Initiative. Der Minister war der Auffassung, dass die berufliche Ausbildung ein Faktor zur Überbrückung der Kluft zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sein könne. Die Initiative solle daher der beruflichen Ausbildung eine neue Dynamik verleihen, indem sie Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen unterstütze, junge Menschen zum Unternehmertum ermutige und die informelle Beschäftigung, die keinen Schutz genieße, in eine würdige, formelle Beschäftigung überführe.

Nicolas Schmit erklärte, dass im Zentrum dieser Initiative, welche die bereits unternommenen Anstrengungen ergänzen soll, die Idee stehe: „ein Nord-Süd-Netzwerk aus Ausbildungsstätten aufzubauen, um:

  • Methoden und Programme durch einen partizipativen Ansatz (öffentliche Hand, privater Sektor und Zivilgesellschaft) anzugleichen,
  • Lehrkräfte weiterzubilden und ihnen neue Technologien zu vermitteln,
  • zur Erneuerung und Modernisierung der Ausrüstung von Zentren beizutragen sowie zur Ausbildung der Mitarbeiter,
  • Partnerschaften mit dem privaten Sektor zu schließen,
  • Synergien zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung zu fördern,
  • neu eingeführte Programme und Methoden zu zertifizieren, um die Qualität der erteilten Ausbildung gemäß internationalen Standards zu bewerten.“

Die Teilnehmer appellierten, „einen gemeinsamen Sonderfonds einzurichten, um die 200 Millionen zu mobilisieren, die für das Programm erforderlich sind, um so schnell wie möglich den ersten Schritt hin zur Jugendbeschäftigung tun zu können“

In ihrer Abschlusserklärung war die von Nicolas Schmit unterstützte Initiative für die Konferenzteilnehmer „ein erster wesentlicher Schritt im Kampf gegen das Problem der Jugendarbeitslosigkeit.“

„Für Europa und den Maghreb ist die Lage ernst“, warnten die Teilnehmer der Konferenz und betonten: „In einigen Ländern wird die alarmierende Situation erreicht, dass zwei Drittel der Arbeitssuchenden zwischen 15 und 29 Jahren sind, und in Europa sind 5 Millionen Jugendliche arbeitslos, 50 % in einem Land wie Spanien.“

Die Sitzungsteilnehmer listeten die zu erreichenden Ziele auf:

„1.  Die traditionellen Konzepte der Nord/Süd-Beziehungen in der Berufsausbildung vollständig verändern. Bisher haben sie darin bestanden, technisches Wissen durch die Entsendung von Experten zu vermitteln. Der neue Ansatz besteht darin, gemeinsam Programme zu entwickeln, sie auf ähnlichem Niveau umzusetzen und gemeinsame Akkreditierungen für sie zu schaffen.

2.    Dazu werden ausgewogene Netzwerke professioneller und universitärer Einrichtungen aus dem Norden und dem Süden die Berufe und die besten Ausbildungszentren im Europa-Mittelmeer-Raum auswählen.

3.    Dies erfordert jedoch, dass der neue Ansatz die Entwicklung derjenigen, die eine berufliche Ausbildung erhalten, wieder in den Mittelpunkt stellt und nicht die Interessen der Institutionen.“

„Wir fordern die Institutionen, die traditionell Entwicklungsprogramme finanzieren (Weltbank, EBRD, AfD, EIB und Europäische Kommission) feierlich auf, einen gemeinsamen Sonderfonds einzurichten, um die 200 Millionen zu mobilisieren, die für das Programm erforderlich sind, um so schnell wie möglich den ersten Schritt hin zur Jugendbeschäftigung tun zu können“, äußerten sie abschließend.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 10-11-2015