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Zeremonie „30 Jahre Europa gegen den Krebs“ – Erfolgsbilanz und Debatte über zukünftige Maßnahmen

15-09-2015

Von l. nach r.: Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit; und Lydia Mutsch, Ministerin für Gesundheit
© Ministry of Health
Anlässlich des 30. Jahrestags der ersten Maßnahme zur Krebsbekämpfung fand am 15. September 2015 in Luxemburg eine offizielle Zeremonie statt, die den Titel „30 Jahre Europa gegen den Krebs“ trug und gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem luxemburgischen EU-Ratsvorsitz organisiert wurde. Diese Veranstaltung, an der die Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, teilnahmen, wurde von den zahlreichen geladenen Spezialisten zum Anlass genommen, um eine Erfolgsbilanz zu ziehen und über die zukünftigen Maßnahmen in diesem Zusammenhang zu debattieren.

Während einer Pressekonferenz vor der Begegnung erinnerte die Gesundheitsministerin Lydia Mutsch daran, dass seit dem Beschluss des Europäischen Rates über die Einführung eines gemeinschaftlichen Aktionsprogramms gegen den Krebs im Jahr 1985 der Kampf gegen diese Krankheit zu „einer Priorität der europäischen Politik im Bereich der öffentlichen Gesundheit“ geworden ist. Dieser Beschluss „hat diesem Kampf eine neue Dimension verliehen“ und für „eine engere Bindung zwischen Europa und den Anliegen seiner Bürgerinnen und Bürger“ gesorgt, erklärte sie.

Der Ministerin zufolge zeigen die in diesem Bereich erzielten Erfolge, „wie offensichtlich es ist, dass gemeinschaftliche europäische Maßnahmen einen bedeutenden Mehrwert bringen können, indem große Herausforderungen im Bereich der Gesundheit effizienter bewältigt werden“, auch wenn die Gesundheit eine nationale Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedstaaten bleibt. Lydia Mutsch wies in diesem Zusammenhang insbesondere auf den Austausch von Informationen, bewährten Praktiken und Erfahrungen hin, der durch diesen Beschluss, den Luxemburg „eifrig unterstützt“ hat, initiiert wurde. „Diese gemeinschaftliche europäische Aktion und partnerschaftliche Vorgehensweise können in der Tat helfen, ineffiziente Maßnahmen und doppelten Arbeitsaufwand zu vermeiden und somit zu einer besseren Nutzung der verfügbaren Ressourcen beitragen“, fügte sie hinzu.

Krebs bleibt weiterhin ein Hauptanliegen der öffentlichen Gesundheit

Lydia Mutsch betonte darüber hinaus, dass Krebs die zweithäufigste Todesursache in der Europäischen Union (EU) sei und dass diese Zahl aufgrund des Älterwerdens der Bevölkerung voraussichtlich noch weiter steigen werde.  In Luxemburg sei Krebs seit 2010 bei Männern sogar die häufigste Todesursache, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erläuterte sie, während er bei Frauen die zweithäufigste Ursache bleibt. „Das Großherzogtum hat seit 1992 ein nationales Programm zur Früherkennung von Brustkrebs für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren implementiert, das auf europäischen Leitlinien basiert. Dank dieses Programms konnte die Früherkennung in der Zielgruppe von 9 auf ungefähr 70 % erhöht werden“, so die Ministerin.

Schätzungen zufolge seien knapp ein Drittel aller Krebserkrankungen durch die Aneignung einer gesünderen Lebensweise und die Vermeidung der zentralen Risikofaktoren vermeidbar. Lydia Mutsch wies diesbezüglich darauf hin, dass „horizontale Maßnahmen hinsichtlich der wichtigsten Gesundheitsfaktoren für Luxemburg eine Priorität darstellen, ebenso wie die interministeriellen Aktionsprogramme und -strategien im Bereich Ernährung und Bewegung und auf dem Gebiet Eindämmung des Tabak- und Alkoholkonsums“.

Lydia Mutsch erwähnte außerdem den Nationalen Plan für die Krebsbekämpfung 2014-2018, der im Juli 2014 von der luxemburgischen Regierung verabschiedet wurde. Dieser umfasst 73 verschiedene Maßnahmen, welche die Bereiche Governance, Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung, Diagnose, Behandlung, Betreuung und Rehabilitierung, Ressourcen für die Gesundheit, Patientenrechte und Forschung abdecken, betonte sie.

Politiken der Prävention und der Zugang zu einer frühzeitigen Diagnose sind von entscheidender Bedeutung

Der für den Bereich Gesundheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis würdigte seinerseits das europäische Programm zur Krebsbekämpfung als ein für ihn „sehr wichtiges und persönliches“ Anliegen. „Als es eingeführt wurde, war ich bereits ein praktizierender Arzt, und ich erinnere mich an meine Kollegen, die zu dieser Zeit bereits die Grenzen zu anderen europäischen Hauptstädten überschreiten, sich mit Wissenschaftlern treffen, lernen und zusammenarbeiten konnten“, erläuterte er. Einer der Haupterfolge dieser Politik ist die Einführung des Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung im Jahr 1987, der seitdem regelmäßig aktualisiert wird. „Der Kodex bleibt ein zentrales Instrument in unseren Bemühungen zur Sensibilisierung der Bürger in Bezug auf die Prävention und die Früherkennung von Krebs“, betonte Vytenis Andriukaitis.

Jedes Jahr werden bei den Männern in der EU ungefähr 1,4 Millionen neue Fälle gemeldet, und knapp 1,2 Millionen bei den Frauen, und man muss „diese Zahlen weiter verringern“, merkte der EU-Kommissar an. Er wies darauf hin, dass sich die europäischen Maßnahmen zur Krebsbekämpfung bislang „im Wesentlichen auf die Prävention, die Früherkennung und die Eindämmung“ konzentriert haben und vertrat die Auffassung, dass die Präventionsmaßnahmen und eine frühzeitige Diagnose „von entscheidender Bedeutung“ sind. „Sie können ein ganzes Leben verändern“, fügte Vytenis Andriukaitis hinzu.

Der EU-Kommissar erwähnte außerdem die Mitteilung der Kommission über Maßnahmen zur Krebsbekämpfung aus dem Jahr 2009, die in Bezug auf die Senkung der Prävalenz von Krebs ein „ehrgeiziges“ Ziel, nämlich eine Verringerung von 15 % bis 2020, vorsieht. „Wir schätzen, dass das Auftreten der Hauptkrebserkrankungen in der EU in den letzten zehn Jahren um 10 % verringert wurde, wodurch wir [dieses] Ziel im Auge behalten können“, erläuterte er. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch das europäische Krebsinformationssystem, das „soweit wie möglich harmonisierte“ epidemiologische Daten liefern soll und bis 2016 einsatzbereit sein dürfte.

Vytenis Andriukaitis rief auch dazu auf, neue Technologien in diesem Zusammenhang durch den Einsatz von Telemedizin und E-Gesundheit im Rahmen der Prävention und der Behandlung von Krebs „in vollem Umfang zu nutzen“ und den Einsatz innovativer Therapien zu fördern. „Wir müssen ein Krebsregister entwickeln“, forderte der EU-Kommissar.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 16-09-2015