Bildung, Jugend, Kultur und Sport - Bildung, Jugend, Kultur und Sport
Minister im Europäischen Parlament

Romain Schneider präsentiert die Prioritäten des luxemburgischen Ratsvorsitzes vor dem Ausschuss für Kultur und Bildung (CULT) des Europäischen Parlaments

14-09-2015

Der Minister für Sport, Romain Schneider, sprach am 14. September 2015 vor dem Ausschuss für Kultur und Bildung (CULT) des Europäischen Parlaments in Brüssel, um die Prioritäten des luxemburgischen Ratsvorsitzes im Bereich Sport vorzustellen. Dazu gehören vor allem die Förderung von körperlichen und motorischen Aktivitäten bei Jugendlichen und Kleinkindern, die Bekämpfung von Manipulationen bei Sportwettkämpfen sowie die Vertretung und die Koordinierung der Europäischen Union in der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Romain Schneider präsentiert die Prioritäten des luxemburgischen Ratsvorsitzes vor dem Ausschuss für Kultur und Bildung (CULT) des Europäischen Parlaments am 14. September 2015

Zu Beginn seines Redebeitrags wies Romain Schneider die Abgeordneten auf die zunehmende Gefahr der Fettleibigkeit und des Übergewichts in der Europäischen Union hin. So werden beispielsweise jedes Jahr 7 % der nationalen Gesundheitsbudgets in der EU für die Behandlung von Krankheiten in Verbindung mit Fettleibigkeit ausgegeben, betonte der Minister.

Daten aus dem Jahr 2010 zufolge sind bereits kleine Kinder von Fettleibigkeit und Übergewicht betroffen, d. h. ein Drittel der Kinder zwischen 6 und 9 Jahren. Als noch „besorgniserregender“ bezeichnete der Minister jedoch die Tatsache, dass die Prävalenz von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern unter 5 Jahren in den Industrieländern von 8 % im Jahr 1990 auf 12 % im Jahr 2010 gestiegen ist und 2020 voraussichtlich einen Wert von 14 % erreichen wird.

Aus diesem Grund habe sich der luxemburgische Ratsvorsitz dazu entschlossen, die Förderung von körperlichen Aktivitäten bei sehr kleinen Kindern zu einer Priorität zu machen, erklärte Romain Schneider, der die Vorteile von körperlichen Aktivitäten für Kinder hervorhob: die Verbesserung der Ausdauer, der Muskelkraft, der Geschwindigkeit, der Koordination, der Bewegungsmotorik, des psychischen Wohlbefindens und des Selbstwertgefühls. Kinder, die Sport treiben, „erzielen tendenziell bessere schulische Leistungen, haben weniger Verhaltensauffälligkeiten und Disziplinprobleme und sind im Unterricht aufmerksamer“. Der Ratsvorsitz beabsichtige außerdem, einen „noch völlig unbeachtet gelassenen“ Aspekt zu erfassen, nämlich den der Förderung von körperlichen und motorischen Aktivitäten bei sehr kleinen Kindern, d. h. bei Säuglingen bis zum Alter von zwölf Monaten.

Der Minister begrüßte die „Vorreiterrolle“ des Europäischen Parlaments und des Parlamentarischen Ausschusses, die bereits 2007 in einer Entschließung zu der Rolle des Sports in der Erziehung darauf hingewiesen hatten, dass bei Kindern im Schul- und Vorschulalter spezifische körperliche Aktivitäten gefördert werden müssen. Romain Schneider zufolge handelt es sich hierbei um ein „permanentes Anliegen auf europäischer Ebene“, das ebenfalls im aktuellen Arbeitsplan der EU für den Sport (2014-2017) erwähnt wird und die Schlussfolgerungen des Rats "Bildung, Jugend, Kultur und Sport" auf seiner Tagung am 23. November 2015 beeinflussen wird.

Der Minister kam daraufhin auf ein weiteres wichtiges Thema des luxemburgischen Ratsvorsitzes zu sprechen: die Vertretung und die Koordinierung der Europäischen Union in der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Das aktuelle System beruhe auf einer Entschließung des Rates aus dem Jahr 2011, die bis Ende des Jahres 2015 zu prüfen ist. Romain Schneider betonte, dass Europa in der WADA „über eine starke Stimme“ verfügen müsse. Die Sportminister hätten sich auf einer informellen Tagung im Juli in Luxemburg bereits über das Thema ausgetauscht, wobei jedoch „keine Einigung“ über die Änderung der aktuellen Art der Vertretung erzielt worden sei. Viele Minister hätten den Ratsvorsitz damit beauftragt, die europäische Koordinierung vor den internationalen Anti-Doping-Treffen zu verbessern, erklärte Romain Schneider, der bis Endes des Jahres einer der drei Vertreter der EU im WADA-Stiftungsrat ist. Er rief die Mitgliedstaaten, die noch keinen nationalen Anti-Doping-Kodex eingeführt haben, der im Einklang mit dem Welt-Anti-Doping-Kodex steht, erneut dazu auf, „dies unverzüglich zu tun“.

Der Minister nannte daraufhin als Priorität die Frage der dualen Karriere für Sportler, um es ihnen zu ermöglichen, ihre sportliche Tätigkeit auf einem hohen Niveau unter optimalen Bedingungen mit einer schulischen oder universitären Ausbildung zu vereinbaren. Romain Schneider wies angesichts der starken Mobilität von Sportlern, um an Wettkämpfen teilzunehmen und im Ausland die besten Trainingsbedingungen zu finden, auf die Notwendigkeit einer europäischen Dimension hin.

Der luxemburgische Ratsvorsitz beabsichtige außerdem, einen moralisch einwandfreien Sport zu fördern, der frei ist von Manipulationen und Doping, betonte Romain Schneider und fügte hinzu, dass Luxemburg seit Juli zu den 12 Mitgliedstaaten der EU gehöre, die das Übereinkommen des Europarates über die Manipulation von Sportwettbewerben unterzeichnet haben. Der Ratsvorsitz werde die beiden Vorschläge für Beschlüsse des Rates (COM/2015/0084 und COM/2015/0086) über die Unterzeichnung dieses Übereinkommens im Namen der Union „mit höchster Priorität“ behandeln, erläuterte der Minister.

Romain Schneider nannte als weitere Prioritäten das Vorhaben, die Beziehungen der öffentlichen Behörden mit der Sportbewegung weiter zu verbessern, sowie die wirtschaftlichen Aspekte des Sports. Der Minister gab bekannt, dass der Ratsvorsitz im Oktober eine Konferenz mit dem Titel „Die Schaffung von Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung durch den Sport“, gefolgt von einem Treffen der Expertengruppe des Rates, veranstalten werde.

Während der Debatte, die auf den Redebeitrag folgte, begrüßten die Abgeordneten das Vorhaben des Ratsvorsitzes, den Schwerpunkt auf die Förderung der körperlichen Aktivität von Kleinkindern zu legen. Mehrere Abgeordnete betonten die Tatsache, dass der Bereich Sport in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fällt, und riefen dazu auf, sich auf den Austausch von bewährten Praktiken zu konzentrieren. Was die Dopingbekämpfung betrifft, forderte die deutsche Abgeordnete Petra Kammerevert (S&D) dazu auf, mittels einer Richtlinie gemeinsame Normen auf europäischer Ebene festzulegen, um zu zeigen, dass es sich hierbei um eine echte Straftat handelt.

Im Rahmen seiner Antwort wies Romain Schneider nachdrücklich darauf hin, dass der Sport noch viele andere Werte als den Wettkampf habe, wie etwa das Wohlbefinden oder die soziale Integration. Er betonte außerdem die Bedeutung der Kohärenz politischer Strategien und nannte als Beispiel das luxemburgische Programm „Gesund essen, mehr bewegen“, an dem alle Minister beteiligt sind.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 16-09-2015