Bildung, Jugend, Kultur und Sport
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Die Bedeutung von hochwertigen Bildungsangeboten und die Chancengleichheit stehen im Mittelpunkt einer Konferenz zur frühen Kindheit, die vom luxemburgischen Ratsvorsitz veranstaltet wird

10-09-2015 / 11-09-2015

Der Minister für Bildung, Kinder und Jugend, Claude Meisch, bei seiner Eröffnungsrede
Der luxemburgische Ratsvorsitz veranstaltete am 10. und 11. September 2015 eine Konferenz zur Vielfalt und Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung.

Für den Minister für Bildung, Kinder und Jugend, Claude Meisch, ist Luxemburg der richtige Ort für eine solche Konferenz, da das Land „hinsichtlich der Vielfalt und Heterogenität von Schülern den ersten Platz in Europa einnimmt“. Diese Tatsache wird ihm zufolge aufgrund des Migrationsdrucks auch in den anderen Mitgliedsstaaten an Bedeutung gewinnen. In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Minister daran, dass Luxemburg ein dreisprachiges Land ist und dass die Zunahme der ausländischen ansässigen Bevölkerung auf heute 45 % der Bevölkerung „das sprachliche Umfeld und das öffentliche Bildungssystem wesentlich verändert“. Daher sei die frühe Kindheit eine „bedeutende Priorität“ Luxemburgs, erläuterte der Minister, der ebenfalls die wichtige Rolle der Familie unterstrich.

„Es muss so früh wie möglich gehandelt werden, um die Ungleichheiten abzubauen, die häufig bereits zu Beginn der Schulpflicht sehr deutlich sind,“ fügte Claude Meisch hinzu. Dieses Prinzip ist auch im strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung („Allgemeine und berufliche Bildung 2020“) vorgesehen, der von den Bildungsministern der EU 2009 verabschiedet wurde. Der Minister unterstrich, wie wichtig es sei, alle Kinder von Beginn an in hochwertige Bildungsangebote einzubeziehen. Ziel der Konferenz sei es, konkrete Maßnahmen zu bestimmen, die den von der Europäischen Kommission 2014 vorgeschlagenen Qualitätsrahmen für die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung unterstützen, aber auch bewährte Praktiken zu ermitteln, unterstrich der Minister. Er werde dies den Bildungsministern auf der Tagung des Rats „Bildung, Kultur, Jugend und Sport“ am 23. November 2015 mitteilen.

Die Ministerin für Familie und Integration, Corinne Cahen
Die Ministerin für Familie und Integration, Corinne Cahen, unterstrich, dass es wichtig sei, die Vielfalt in der Schule zu fördern, da sich diese ihrer Meinung nach günstig auf die Integration auswirke. „Wenn Kinder daran gewöhnt sind, mit Kindern unterschiedlicher Nationalitäten oder mit behinderten Kindern zusammen zu sein, lernen sie miteinander zu leben; sie sind als Erwachsene toleranter und offener“, fügte sie hinzu. Sie erinnerte daran, dass Luxemburg ein Einwanderungsland mit einem großen Bevölkerungsanteil ausländischer Staatsangehörigkeit sei und dass die Kinder der syrischen Flüchtlinge, die vor anderthalb Jahren in Luxemburg angekommen seien, schon jetzt die drei Landessprachen sprächen (Luxemburgisch, Französisch und Deutsch) und „oft die Dolmetscher für ihre Eltern sind“.

Der EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics, appellierte, es nicht zu unterschätzen, dass die Union weniger integrativ sei als vor der Wirtschaftskrise, und erläuterte, dass 123 Millionen Europäer von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht seien und die Jugendarbeitslosigkeit in einigen Mitgliedsstaaten 50 % erreiche. Ihm zufolge sei Beschäftigung das beste Mittel zur Einbeziehung, doch „nur hochwertige Bildungsangebote ermöglichen es den Menschen, Arbeit zu finden“.

Der EU-Kommissar begrüßte die Fortschritte auf europäischer Ebene und stellte fest, dass die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung „einfacher zugänglich“ und „qualitativ besser“ geworden seien. Er führte aus, dass 94 % der vierjährigen Kinder an einer Vorschulerziehung teilnähmen und dass die EU somit ihr Ziel von 95 % bis 2020, das in einer Mitteilung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2011 über die frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung festgeschrieben ist, fast erreicht habe.

Tibor Navracsics kritisierte jedoch, dass „zu viele Kinder in zu vielen Staaten Europas keinen Zugang zu Kinderbetreuung haben, was inakzeptabel ist“. Der EU-Kommissar prangerte auch an, dass eine „große Mehrheit“ der Mitgliedsstaaten ihre Budgets für Bildung gekürzt hätten, während Konkurrenten wie China, Brasilien oder Indien diese erhöht hätten. „Die Investition in Bildung ist von wesentlicher Bedeutung, es handelt sich um ein großes Potential“, betonte Tibor Navracsics und fügte hinzu, dass die allgemeine und berufliche Bildung eine Priorität des sogenannten Juncker-Investitionsplans seien und dass die Europäische Investitionsbank (EIB) 2014 fünf Milliarden Euro für Projekte in diesem Bereich bereitgestellt habe.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 11-09-2015