Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz
Andere

Der Zugang von Patienten zur personalisierten Medizin im Mittelpunkt der Diskussionen auf einer hochrangigen Konferenz

08-07-2015

Die Ministerin für Gesundheit Lydia Mutsch mit dem europäischen Kommissar für Gesundheit Vytenis Andriukaitis und dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Mars di Bartolomeo
© Ministerium für Gesundheit
Der luxemburgische Ratsvorsitz veranstaltete am 8. Juli 2015 eine hochrangige Konferenz zum Thema personalisierte Medizin, an der Ärzte, Forscher, Politiker, nationale Entscheidungsträger aus dem öffentlichen Gesundheitswesen sowie Patientenorganisationen teilnahmen. Zentrales Thema dieser Konferenz war der Zugang einer größeren Zahl von Patienten zur personalisierten Medizin, mit deren Hilfe eine angemessene und auf den einzelnen Patienten ausgerichtete Behandlung gewährleistet werden soll.

Die EU-Gesundheitsminister sollen die Schlussfolgerungen zu diesem Thema bei der formellen Tagung des Rats am 8. Dezember 2015 verabschieden.

„Unser Leitmotiv ist es, den Patienten in den Mittelpunkt der Debatten zu stellen und Innovation im Dienste des Patienten zu fördern“, erklärte die Gesundheitsministerin Lydia Mutsch während einer Pressekonferenz nach der Eröffnung der Konferenz. Gegenstand der Diskussionen werden den Ausführungen von Lydia Mutsch zufolge die Integration der personalisierten Medizin in die medizinische Praxis, die Identifizierung bewährter Verfahren („best practices“) und die Betonung der möglichen Vorteile für die öffentliche Gesundheit, aber auch die Patientenbeteiligung und die Entwicklung besserer Diagnoseverfahren sein.

„Die Herausforderung, die es zu überwinden gilt, besteht darin, gemäß dem Grundsatz des allgemeinen und gleichberechtigten Zugangs zu einer medizinischen Versorgung von hoher Qualität Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, beim richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt die richtige Behandlung vorzunehmen“, betonte Lydia Mutsch. Der Ministerin zufolge handelt es sich hierbei um eine „maßgeschneiderte Medizin“. Es geht darum, den Patienten zu Wort kommen zu lassen, ihn besser zu informieren und ihn an den Entscheidungen seine Behandlung betreffend teilhaben zu lassen, die auf seine individuelle Situation ausgerichtet und an seine konkreten Bedürfnisse angepasst werden muss. Das Ziel besteht darin, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und unerwünschte Reaktionen zu vermeiden. Lydia Mutsch erklärte, dass eine Behandlung für den einen Patient positiv, für einen anderen Patienten jedoch aufgrund seiner Erbeigenschaften negativ sein kann, auch wenn beide Patienten dieselbe Diagnose erhalten haben.

Lydia Mutsch rief dazu auf, der personalisierten Medizin eine Chance zu geben, die ihr zufolge bislang bedauerlicherweise nur aus wirtschaftlicher Sicht und als Forschungsobjekt betrachtet worden sei. „Wir möchten die öffentliche Gesundheit und die Perspektive des Patienten in den Mittelpunkt der Diskussionen rücken, wo sie häufig unberücksichtigt bleiben“, erklärte sie und meinte ferner, dass die personalisierte Medizin „im Begriff ist, unsere Perspektiven im Hinblick auf die Medizin im Allgemeinen und insbesondere die Behandlung des Patienten zu revolutionieren“.

Sie fügte hinzu, dass der luxemburgische Ratsvorsitz beabsichtige, „bei Entscheidungsträgern im Bereich der öffentlichen Gesundheit einen echten Reflexionsprozess in Gang zu setzen“ und „die Grundlagen für eine patientenorientierte langfristige Strategie zu schaffen“. Sie betonte weiter, dass „die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten dabei von entscheidender Bedeutung ist“. „Die personalisierte Medizin muss für eine Vielzahl von Bürgern Wirklichkeit werden und nicht nur für die 'happy few'“, also Reiche und Berühmte, so Lydia Mutsch.

Die Kosten für die personalisierte Medizin werden der Ministerin zufolge „weitgehend kompensiert“ durch die Gewinne für die öffentliche Gesundheit. Grund hierfür sei eine wirksamere und zielgerichtetere medizinische Behandlung, durch die die Effizienz und Transparenz der Funktionsweise der nationalen Gesundheitssysteme gesteigert werden.

Der EU-Kommissar für Gesundheit Vytenis Andriukaitis bezeichnete die personalisierte Medizin als ein „Instrument für eine wirksamere Prävention“ und sprach von einem „individuellen Prozess, bei dem jedes Medikament für eine einzelne Person angefertigt wird“. Er betonte zudem das Potenzial der personalisierten Medizin hinsichtlich einer „wirksameren und sichereren“ Behandlung sowie die Bedeutung der Kosteneffizienz, Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme. „Die Personalisierung wird die Präventionsprogramme für Adipositas, Krebs und andere komplexe chronische Krankheiten verändern – wir müssen herausfinden, wie“, schlussfolgerte der EU-Kommissar.

Bei Abschluss der Konferenz brachte Lydia Mutsch ihre Freude über die „wertvollen Beiträge“ zum Ausdruck, die im Laufe des Tages rege Diskussionen angestoßen haben.

Die Ministerin erkannte an, dass noch „große Herausforderungen“ zu bewältigen sind, bevor die personalisierte Medizin integraler Bestandteil der medizinischen Praxis werden kann. An diesem Tag sei jedoch deutlich geworden, dass diese Hindernisse überwunden werden können.

Lydia Mutsch erinnerte daran, wie wichtig es ist, dass alle Betroffenen beteiligt werden, und dass es erforderlich ist, „die Stimme des Patienten umfassend zu berücksichtigen“. „Wir brauchen einen Ansatz, der auf den Patienten ausgerichtet ist und die europäischen Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden im Bereich der öffentlichen Gesundheit beteiligt“, erklärte die Ministerin.

Lydia Mutsch, die auf die Vorteile der personalisierten Medizin für die Patienten hinwies, vertrat die Auffassung, dass Patienten so „die Möglichkeit erhalten, nicht einfach nur als passive Empfänger einer Behandlung, sondern als Beteiligte, Partner und sogar Ratgeber im Rahmen ihrer eigenen Behandlung angesehen zu werden“. „Um dies zu erreichen, wird es erforderlich sein, unsere traditionelle Denkweise zu ändern“, fügte sie hinzu. „Wir müssen den Mut finden, Paradigmenwechsel zu akzeptieren“, stellte Lydia Mutsch abschließend fest. 

  • Letzte Änderung dieser Seite am 09-07-2015